07.10.17 Böse Überraschung in Inverary
07.10.17
Bei Regen starten wir Richtung Glasgow. Wir lassen es gemütlich angehen und halten in
Inverary, wir wollen den Ort und das Schloss besichtigen. Wir halten vor einer Tankstelle auf einem freien Platz,
studieren Stadtplan und Führer, als es
auf einmal kracht und Irmi schreit: „Der ist uns in unser schönes Auto gefahren“.
An der rechten Türe steht ein Mitsubishi Geländewagen und hat mit seiner
Stoßstange die rechte Türe eingebeult. Ich steige aus, niemand sitzt in dem
Geländewagen. Ich öffne die Türe des Geländewagens, keine Handbremse ist
angezogen und kein Gang ist eingelegt. Jemand hat ihn abgestellt und vergessen, das Fahrzeug zu
sichern, das Auto ist los gerollt, bis unser Golf im Wege stand.
Ich gehe in die Tankstelle, die gleichzeitig Supermarkt ist,
und frage das Personal nach dem Fahrer. Die Fahrerin sei einkaufen und käme in
ein paar Minuten, ist die Antwort. Ich zeige auf die beiden Fahrzeuge und man
holt umgehend die Fahrerin. Um es kurz zu machen, die ruft ihren Mann an, der
die Polizei, die sich weigert zu kommen, da niemand verletzt ist. Wir folgen
dem Ehepaar auf eine nahe Farm und notieren wir Adresse und Versicherungsdaten.
Der Schaden ist nicht groß. Die Druckstelle muss sorgsam von innen
ausgebeult und der Lackschaden behoben werden.
Wir besichtigen das Schloss, der Stammsitz der Campells, es gehören zwischenzeitlich
über drei Millionen Menschen zu diesem Clan.
Immer wenn ich diesen zur Schau gestellten Reichtum des Adels
betrachte, muss ich an die Leute denken, die diesen erarbeitet haben.
Feldarbeiter, Minenarbeiter, Mägde, die geschuftet und oft gehungert haben und
ohne jede Perspektive waren. Oder wie im Fall der schottischen Bevölkerung, die
hat man aus dem Hochland mit Gewalt vertrieben, man hat ihnen die Dächer über
dem Kopf abgebrannt, die Wälder abgeholzt, damit der Profit mit der Schafzucht maximal
war. Viele sind verhungert und wer konnte, ist nach Amerika ausgewandert. Worauf
ist dieser Adel bis hinauf zu „königlichen Familie“ eigentlich stolz?
In einem Cafe mit einer bulgarischen Verkäuferin trinken wir
Kaffee und buchen ein Hotel kurz vor Glasgow, das Kilcreggan im gleichnamigen
Ort.
Danach überredet mich Irmi, mit ihr in ein Geschäft zu
gehen, das Harris Tweed führt und überredet mich auch noch, ein Jackett anzuprobieren,
natürlich Tweed. Es wird gekauft.
Das Hotel muss zu seinen besten Zeiten das beste Haus weit
und breit gewesen sein, heute ist die viktorianische Pracht doch mit sehr viel
morbiden Charme überzogen.Dies gilt aber für fast alle, meist
sehr herrschaftlichen Häuser hier in der Umgebung, wie wir bei einem
Spaziergang vor dem Abendessen feststellen konnten. Glasgow hat schon viel
besserer Zeiten gesehen und der neue Aufschwung ist hier noch nicht angekommen
Egal, die Aussicht auf die Lochs ist prächtig, das Personal
ist freundlich und das Abendessen ist gut. .
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