2019 Mit den Hurtigrouten nach Kirkenes und dem Auto zurück nach Hannover
11.03.2019 Nach Hirtshals
Gegen 9:30 starten wir Richtung Norden, das Tagesziel
Hirtshals in 650km Entfernung müssen wir
um 18:00 erreicht haben. Die Autobahn ist nicht sehr voll und der Verkehr
rollt, so dass wir das Ziel viel früher gegen 15:30 erreichen. Bis kurz vor
Flensburg ist der Himmel bedeckt und es liegt zeitweise Schnee neben der
Fahrbahn, die Spuren des Schneepfluges sind deutlich zu sehen. Danach und in
Hirtshals blauer Himmel und Sonnenschein und 3°C, die sich aber bei dem kalten
Wind wie -3° oder kälter anfühlen. Nachdem wir die geschlossene Einfahrt zum
Terminal inspiziert haben, fahren wir in den Ort und bummeln einmal durch, das
Leben tickt hier „seeehr“ langsam.
Wir stellen uns vor Tor 1 von 9 und warten. Als weitere
Autos auftauchen, sind wir irgendwie erleichtert. Es werden dann relativ
schnell erstaunlich viele Autos, dazu fahren nahezu ununterbrochen LKW in das
Terminal, es scheint dort also Leben zu geben, von außen ist das nicht zu
sehen. Gegen 18:30 erscheint eine Dame und öffnet, wie sollte es anders sein,
aus unerfindlichen Gründen Tor 2. Aber wir sind in Dänemark, keiner drängelt
und ich rolle als erster durch die
Abfertigung und werde in die Linie 9 (von ca. 60) eingeordnet. Wieder warten,
ein Schiff ist erst einmal nicht zu sehen. Lkw rollen heran und stellen ihre
Auflieger ab. Gegen 19:30 legt das Schiff an und wie Wasser strömen LKW und PKW
aus dem Schiff heraus. Fast parallel dazu fahren bereits LKW und Trailer auf
die leeren Decks. Dann sind wir dran und parken unser Auto auf Deck 6, ganz
hinten. Wir beziehen unsere Innenkabine und gehen dann zum Restaurant, wo wir
bereits mit der Reise das Buffet gebucht hatten. Zu unserem Erstaunen läuft das
Schiff bereits wieder aus, kaum zwei Stunden lag es an Land zum Ent- und Beladen,
erstaunlich. Das Buffet ist reichhaltig in durchschnittlicher, akzeptabler
Qualität, der Wein kommt aus dem Zapfhahn neben dem Bier, der Weiße ist
trinkbar, auf den Roten verzichten wir. Um 21:15 müssen wir den Tisch räumen
für die nächste Welle, eine leichte Übung. Wir gehen in das schwankende Bett,
es windet ordentlich. Ich schlafe mit dem Gedanken ein, schon lange nicht mehr
in einem schwankenden Bett gelegen zu haben und dass der Morgen danach dann
immer mit Kopfschmerzen verbunden war. Das wird diesmal nicht der Fall sein.
12.03.2019 Bergen
Ich bin ein paarmal aufgewacht in der Nacht, das Schiff hat
immer ordentlich geschwankt. Um 7:00 stehen wir auf, Irmi geht zuerst in das
winzige Bad, ich bleibe sinnvollerweise im Bett, da störe ich am wenigsten.
Dann umgekehrt, Irmi setzt sich auf das Bett, damit ich packen kann. Vor dem
Frühstück gehen wir ins Freie auf das Achterdeck, es regnet leicht. Das Schiff
fährt mit knackigen 40km/h durch die engen Wasserstraßen zwischen dem Festland
und den zahlreichen Inseln. Ich stelle zu meinem Erstaunen fest, dass wir mit
einen gasbetriebenen (CNG->Compressed Natural Gas, also flüssiges Erdgas)
Schiff fahren. Das Buffet ist soso lala, nach dem Frühstück sitzen wir am
Fenster und lassen die Landschaft an uns vorbei ziehen. Um 12:30 Uhr werden wir planmäßig in Bergen
ankommen.
In Bergen ist das Wetter noch schlechter als angesagt, der
Regen kommt waagerecht. Einen Versuch, Bryggen, das alte Bergen zu besichtigen,
brechen wir ab. Wir besichtigen amerikanisch, mit dem Auto. Wir fahren hoch in
die Siedlung über Bryggen auf steilsten Sträßchen, wie ich sie bisher nur in
Südtirol gefahren bin. Dort gibt es aber diese engste Bebauung nicht, hier ist
es eher wie in Amman, die Häuser kleben übereinander am Hang und die obersten
sind nur zu Fuß erreichbar. Wie die gebaut wurden, keine Ahnung. Dann wieder
zurück zum Burgmuseum, das hat zu wegen Renovierung und die alte Kirche daneben
ist auch zu. Wir geben es auf und fahren zum Terminal der Hurtigrouten, sehen
zu, wie die Finnmarken, unser Schiff ankommt und trinken sündhaft teures Bier,
€8,50 für 0,4ltr.
Das ganze Gepäck schleppen wir durch den Regen zum Terminal,
es ist wie am Flughafen, nur es geht zügiger. Das Gepäck wird uns abgenommen
und dann hoffentlich zur Kabine transportiert.
An Bord müssen wir dann bis 18:00 warten, bis die Kabine hergerichtet
und das Gepäck da ist. Dann geht es zum Buffet, es gibt Spezialitäten aus
Bergen. Ich esse geräucherten Heilbutt als Vorspeise, hervorragend, dann eine
Wurst, die aus geräucherten Schafsköpfen hergestellt wird. Nicht schlecht, aber
ich vermisse einen guten, scharfen Senf dazu. Irmi isst die Suppe mit Fischklößchen
und dann Hühnerfrikassee, beides ebenso hervorragend. Auch die rote Grütze zum
Nachtisch ist tadellos, aber sicher keine Bergener Spezialität. Auf dem
Oberdeck sitzen wir noch eine Weile und blicken in die Nacht, Irmi meint, das
sei fast wie Campfire in Kanada. Dazu trinken wir jeder ein Pils, 0,33ltr zum
€7,50. Wir trinken es aus der Flasche, das vermeidet den Bierverlust im Glas.
22:30 ist Abfahrt, gegen einen kleinen Obulus kann man den
bei einem Glas Champagner am Oberdeck genießen, wir verzichten und begeben uns
in die Koje
.
.
13.03.2018
Kurz vor acht gehe ich ins Bad, das Schiff ist so unruhig, dass ich Probleme habe beim Duschen. Das Wetter hat sich beruhigt bis auf den starken Wind. Im Speisesaal ist es voll um diese Zeit und wir staunen, wie viele Leute „Seebeine“ haben. Nach dem Frühstück sitzen wir auf dem Deck 8, lassen die Landschaft an uns vorüber ziehen. Umgeben sind wir von strickenden Frauen, die leider wie Gänse schnattern.
Kurz vor acht gehe ich ins Bad, das Schiff ist so unruhig, dass ich Probleme habe beim Duschen. Das Wetter hat sich beruhigt bis auf den starken Wind. Im Speisesaal ist es voll um diese Zeit und wir staunen, wie viele Leute „Seebeine“ haben. Nach dem Frühstück sitzen wir auf dem Deck 8, lassen die Landschaft an uns vorüber ziehen. Umgeben sind wir von strickenden Frauen, die leider wie Gänse schnattern.
In Alesund gehen wir ein wenig spazieren, die Stadt wurde
nach einem Brand 1904 wieder aufgebaut, zum Teil im Jugendstil. Kaiser Wilhelm
I gab dazu viel Geld aus der Privatschatulle, deswegen gibt es hier noch eine
nach ihm benannte Straße. Zurück auf dem Schiff setzen wir uns in die Sonne und
genießen die Fahrt auf dem Freideck, bis Biathlon ruft. Zuvor schauen wir noch
in Molde hoch zu unserem Stellplatz, auf dem wir 2010 mit unserem LKW standen
und auf das einlaufende Schiff der Hurtigrouten geschaut haben. Wir tranken
Rotwein in der Sonne und vom Schiff ertönte klassische Musik.
Wir freuen uns riesig über den Sieg von Arnd Peiffer und
gehen dann zum Abendessen. Heute wird serviert, es gibt ein 3-Gänge Menü, Vorspeise
Klippfischcarpaccio, dann Salzlamm in Rotweinsauce und als Nachtisch gebratene
Äpfel mit karamelisiertem Zucker. Alles sehr lecker und alle Zutaten aus der
Region. Bis auf den Rotwein zur Sauce. Welch ein Genuss, serviert zu bekommen. Nette Tischnachbarn haben wir auch, ein
Ehepaar in unserem Alter aus Marburg und zwei etwas jüngere Damen aus der
deutschsprachigen Schweiz. Nach dem Essen ein Bier! Auf Deck 8, dem
Aussichtsdeck. Wir lassen die beleuchtet Küste an uns vorbei ziehen, Natural
Geographic Television. Irmi meint, das sei fast wie Campfire. Nur die
strickenden und schnatternden Amis stören. Wir beobachten noch, wie das riesige
Schiff im engen Hafen von Kristiansund anlegt und gehen dann in die Koje.
14.03.2019 Trondheim
Das Schiff hat, von uns unbemerkt, um 6:00 in Trondheim
angelegt. Wir stehen früh auf, um Trondheim zu erkunden. Es schneit ein wenig,
als wir in Richtung Kathedrale marschieren. Unterwegs drückt es mich. Irmi
entdeckt eine Bibliothek, da gibt es immer Gelegenheiten. Es ist das alte
Rathaus, im Foyer sind alte Fundamente freigelegt, u. a. ein Grab samt Skeletten.
Was ein Glück, dass es mich gedrückt hat. Wir gehen an einer Reihe Elektroautos
vorbei, meist Teslas, die alle an Ladesäulen hängen mit langen Ladekabeln.
Schöner Spaß, die dreckigen, nassen Ladekabel zusammen zu rollen und im Auto zu
verstauen. Der Dom ist imponierend, er wird heute universell von Protestanten, Anglikanern und Katholiken
genutzt. Der Himmel klart auf, bei Sonnenschein marschieren wir am Fahrradlift,
den wir schon 2010 bewundert haben, vorbei hoch zur Festung. Der Ausblick über
Trondheim ist schön, aber unser Schiff leider nicht zu sehen. Das Schiff legt
pünktlich um 12:00 ab. Den Nachmittag verbringen wir dick in Skiklamotten eingepackt im Freien und genießen die
Sonne. Das Abendmenü ist wieder super,
Lachs, ganz frisch gefangen, super zart, super schmackhaft. Dann noch ein Bier
mit Aussicht genießen auf Deck 8, das Anlegen des riesigen Schiffes in Rörvik bewundern
und dann ins Bett. Am Kai liegt die Nordnorge, die Passagiere wandern hin und
her, wir nicht.
15.3.2019 Richtung Lofoten
Leichter Schneefall und Sonne wechseln sich ab. Irmi
versucht, in der salzigen Seeluft ihren Schnupfen zu kurieren, ich sortiere
Bilder und schreibe Tagebuch. Die Polarkreiszeremonie ignorieren wir, wir haben
den nun zum dritten Mal überquert, warum also dieser Hokuspokus? Vielen Gästen,
vor allem den älteren Amerikanern, gefällt es.
Wir gehen in Bodö an
Land und in die Stadt. Es lohnt nicht,
sie hat den Charme einer Bahnhofswartehalle 3. Klasse aus den fünfziger Jahre
oder Halle Neustadt kurz nach der Wende. Auch boomt es dort so, überall wird
gebaut, großzügige Bürohäuser und auch eine Erweiterung des Rathauses. Wozu,
ist mir unklar, die Norweger werden eher weniger als mehr, wozu also das
riesige, neue Rathaus?
Um 15:00 fahren wir weiter Richtung Lofoten und wir genießen
die Fahrt auf dem Aussichtsdeck, gemütlich im Sessel und im Warmen.
Um 22:00 ist die Nordlichtwahrscheinlichkeit bei 25%, ich
stehe mit der Kamera auf dem Stativ auf dem Deck in der Kälte, vergebens. Es
wird „Trollsuppe“ verkauft, Tee mit ein bisschen Rum drin, für schlaffe €10,
aber den Blechbecher darf man behalten.
Um 2:30 stehe ich wieder auf, es gibt wieder eine 25% Chance
auf Nordlicht. An Deck liegt frischer Schnee. Das Schiff legt gerade in Sortland an, wo 3 Paletten und 4 Autos
ausgeladen und ca. 10 Paletten und zwei Autos verladen werden, das Ganze bei
klarem Himmel und ohne Nordlicht. Leicht frustriert gehe ich wieder in Bett.
16.03.2019 Richtung Tromsö
Dass wir immer weiter in den Norden kommen sieht man daran,
dass bei Finnsnes die ersten Eisschollen auftauchen. In Finnsnes halten wir für
eine halbe Stunde, mal schneit es stark und dann scheint wieder die Sonne. Um 14:15 sind wir in Tromsö. Der Ort ist
wesentlich hübscher als Bodö, schöne, bunte Holzhäuser sind noch zu sehen. Wir
marschieren mit Spikes an den Winterstiefeln zur Eismeerkathedrale, einem
imponierenden Bau. Der Weg führt über eine hohe Brücke, auf der zieht es,
zusätzlich treibt der Wind den Schnee ins Gesicht. Auf dem Weg zurück zum Schiff bummeln wir
durch die Fußgängerzone. Die ist zum Teil mit fester Schneedecke bedeckt,
mindesten 10cm dick, zum Teil schneefrei. Später erfahren wir, Teile der Straße
sind beheizt. Wieder, wie bereits vor 10 Jahren, wundern wir uns über die
Öffnungszeiten der Geschäfte. Friseure von Montag bis Freitag von 10:00 bis
16:00, nur Donnerstag bis 18:00. Andere Geschäfte und Banken haben ähnlich
Zeiten. Erstaunlich, muss man sich hier Urlaub nehmen, um zum Friseur zu gehen?
Um ca.22:00 ist es dann soweit, am teilweise wolkenbedecktem
Himmel erscheinen die ersten grünen Streifen. Ich mache einige Aufnahmen, sie
werden alle von mäßiger Qualität sein, denn das Schiff rollt im Seegang und ich
muss mit einer guten Sekunde belichten, also ist Unschärfe vorprogrammiert.
17.03.2019 Richtung Kirkenes
Das Schiff rollt und stampft mächtig, als wir um 7:30
aufstehen, hinter Hammerfest geht es ein Stück über freies Meer, keine Insel
schützt uns vor den Wellen des Eismeeres. Der Frühstücksraum ist leerer als
sonst. In Honningsvag legen wir an und ein Schwall von Menschen ergießt sich in
wartende Busse, alle wollen zum Nordkap. Wir nicht, €130/Person für eine
Busfahrt von 2 Stunden und insgesamt 60km ist uns einerseits schlichtweg zu teuer,
andererseits, was sieht man dort? Meer wie hier auch. Also, reine
Geldschneiderei. Wir spazieren durch den Ort, wundern uns über die Leere, man
kann problemlos auf der Straße spazieren. Was hier los ist, wenn im Sommer
täglich mehrere riesige Kreuzfahrer hier anlegen, daran denken wir gar nicht.
Dann ist Packen angesagt, denn heute Abend müssen die Koffer vor die Türen
gestellt werden.
Nach dem Auslaufen wird es richtig wacklig, keine schützende
Insel mehr links vorm Schiff, nur freies Meer bis zum Beginn des Nordpolareises.
Entsprechend sind die Wellen. Irmi hat zu spät ihre Reisetablette genommen und
leidet erst einmal an Deck, bis die Wirkung eintritt. Im Speisesaal sind doch
einige Tische nicht vollständig besetzt so wie unserer auch. Das Ehepaar aus Deutschland
fehlt, eine Dame aus der Schweiz und dann am Anfang Irmi. Heute gibt es Buffet,
keine gute Idee, mir langt schon das Gedränge am Frühstücksbuffet und die
Menschen, die Unmengen auf einen viel zu kleinen Teller schaufeln und dann das
meiste liegen lassen. Ein riesiger Lachs liegt auf dem Buffet, eine Frau, keine
Dame, reißt sich regelrecht mindestens ein Pfund heraus. Ich bestelle zwei
Aquavit in der Hoffnung, Irmi etwas Gutes zu tun. Sie nippt daran und meint,
besser nicht.
Nach dem Essen gehen wir auf Deck 8, um das Abschiedsbier zu
trinken, wieder keine gute Idee, da oben schwankt es noch mehr, also ab in die
Kabine, die liegt in Höhe der Wasserlinie, da schwankt es am wenigsten und ab
ins Bett, da ist das Ganze am besten zu ertragen. Ich habe allerdings überhaupt
keine Probleme mit dem Seegang.
18.03.19 Kirkenes und Inari
Nach dem Frühstück gehen wir von Bord, Irmi zu den Koffern
und ich mit dem Auto. Koffer einladen und los. Die Straßen sind überwiegend
frei, zumindest die Reifenspur. Dann biegen wir ab von der E75 auf eine
Nebenstraße, die am Inarisee entlang führt. Die ist dann komplett vereist oder
mit Schnee bedeckt. Trotzdem kann ich problemlos das Auto mit 70km/h rollen
lassen. Das trockene Eis bzw. der trockene Schnee sind erstaunlich griffig, wie
ich bei mehreren Brems- und Beschleunigungstests feststellen konnte. Um 15:00
kommen wir in Inari an. Nach einem Spaziergang bei leichten Schneefall, aber
kräftigen Wind gehen wir in die Sauna. Nach dem Abendessen, gehobene finnische
Küche und auch entspreche Preise trinken wir noch ein Bier am flackernden
Kaminofen, dann Bett.
19.03.19 Von Inari nach Rovaniemi
Mit einem Besen befreie ich das Auto von 10cm Neuschnee. Der
Fahrer des Reisebusses, der auf seine Fahrgäste wartet, hilft mir, die Scheiben
frei zu kratzen. Bei leichtem Schneefall geht es los. Im Laufe der Fahrt wird
das Wetter immer besser, die Sonne scheint. Für das Auge ein Traum, für den
Straßenzustand ist das weniger gut. Das Eis und die feste Schneedecke fangen an
zu tauen und werden dadurch sehr glatt, jetzt hätte ich gerne Spikes. Viele
schnellfahrende Gespanne überholen mich, auf den großen, zum Teil geschlossenen
Anhängern mindestens ein Skidoo. In einem Goldgräbermuseum vertreten wir uns
die Beine, 1869 begann hier ein Goldrausch bis 1900. Der Schnee liegt hier hüfthoch. Ca. 100km vor Rovaniemi ist endgültig nur noch Schneematsch auf der
Straße und es lässt sich gut fahren.
Unser Hotel ist leider nicht so gut wie erwartet, die Preise
im Restaurant noch höher als in Inari. Restaurantzeit und Saunazeit passen nicht
zusammen, also marschieren wir 2km zu einer Pizzeria, die aber leider wegen
Renovierung geschlossen ist. Die nächste ist in einem Einkaufszentrum. Die Pizzen
sind riesig, die Qualität leider nicht. Wir wandern die 2km wieder hinauf zum
Hotel und gehen in die Sauna, auch die bleibt weit hinter unseren Erwartungen
zurück. Ich werde die Bewertung auf Booking.com entsprechend formulieren in englisch,
damit die es auch verstehen.
Wenigstens das lokale Bier, Lapin Kulta (Lappland Gold) ist ausgezeichnet,
wenn auch teuer.
20.03.19 Rovaniemi
Im Frühstücksraum sind Unmengen von Asiaten, wahrscheinlich
Japaner. Wir vermuten, dass sie alle das Weihnachtsdorf besuchen. Da sie wenig
Zeit haben, frühstücken sie in voller Montur und mit umhängten Kameras, meist
mehr als eine. Ob die überhaupt zum Schauen kommen bei dem Fotografierstress?
Aber sie können sich ja zu Hause dann die Bilder anschauen.
Wir wandern auf einem von einem Skidoo präparierten Pfad
durch den Winterwald hinauf zum Gipfelpunkt eines Skiliftes. Eine Abfahrt ist
rot ausgeschildert, eine sogar schwarz. Beide enden jedoch nach maximal 100m
auf eine sehr blauen Piste. Der Lift läuft jedoch nicht. Die Schleife endet
nach ca. 4km wieder am Hotel. Dort tauschen
wir unsere spikebewehrten Winterschuhe gegen normale Winterschuhe und
fahren in die Stadt. Auf dem Frühlingsmarkt erstehe ich ein paar wasserdichte,
gefütterte Arbeitshandschuhe und Irmi finnischen Honig. Ansonsten werden viele
Süßigkeiten angeboten, meist in Form langer Stangen. Wozu Skier mit mehr als 2m
Länge dienen, haben wir nicht hinterfragt. Die Suche nach einem geeigneten
Restaurant für das Abendessen bringt auch kein brauchbares Ergebnis.
21.03.19 An das Ufer des Botnischen Meerbusens und dann nach
Kajaani
Die Fahrt entlang dem Kemijoki ist auf der Nebenstraße ruhig,
aber nicht ohne Tücken. Bei -3,5°C ist das Eis, das gestern angetaut war,
gefroren. Aber durch den wenigen Verkehr
lässt sich trotzdem einigermaßen gut fahren, ruckartige Lenkbewegungen sind
jedoch zu vermeiden. Der Fluss ist natürlich zugefroren. Bei Kemi erreichen wir
die Ostsee. Auf einem Campingplatz (geöffnet) stellen wir das Auto ab und
laufen in einer Skidoospur hinaus auf die gefrorenen See. Überall sind
Schneehaufen zu sehen, sie diesen wahrscheinlich den Eisfischern als
Windschutz, denn der pfeift auf dem offenen Eis erbarmungslos kalt.
Unser Hotel ist ein charmantes, altes Herrenhaus oberhalb
des Kajaanijoki, leider ohne Restauration. So laufen wir über den Fluss in die
Stadt .Die Brücke steht zum Teil auf den Resten der alten Burg, die von den
Russen 1721 zerstört wurde. Wir finden
ein brauchbares Restaurant, zahlen für ein Bier €7,50 und wundern uns, dass das
hier als ganz normaler Preis angesehen wird. Im lizenzierten Alkoholladen
kaufen wir dann das gleiche Bier für €3,60 die Dose, auch ganz schön happig. Bei
Schneeregen geht es zurück ins Hotel, die Besichtigungen müssen bis morgen
warten.
22.03.2019 Jyväskylä
Auf den kleinen Seen, die wir passieren, sehen wir teilweise
noch Eisfischer bzw. deren Windschutzzelte. Mache Gewässer sind jedoch bereits
teilweise offen und der Schnee am Straßenrand bzw. in der Landschaft wird immer
spärlicher.
User Hotel nennt sich Boutique Hotel und so ist es
auch, eher eine Puppenstube als ein
Hotel. Trotzdem zum Wohlfühlen.
In Jyväskylä spazieren wir zum See hinunter, der noch
zugefroren ist. Es strahlt die Sonne vom
blauen Himmel, viele Finnen sitzen auf den Bänken der Uferpromenade und saugen
sie regelrecht auf.
Zu Abend essen wir im Hotel, Irmi Fisch und ich Ente, beides
sehr gut, auch die Weine dazu. Irmi wagt sich an einen slowakischen Riesling,
ich nehme einen Spanier. An das Preisniveau haben wir uns zwar noch nicht
gewöhnt, aber es schockt uns auch nicht mehr.
23.03.2019 Helsinki
Auf Nebenstraßen fahren wir östlich des Päijänne Sees an diesem
und kleinen Seen entlang. Das Wetter wird leider immer schlechter und in
Helsinki dann nieselt es bei knapp über 0°C. Das Scandic ist der erwartete
Kasten. Unverschämt ist die Parkgebühr von €26 pro Nacht, aber es hat keine
Alternativen.
Wir laufen trotz den miesen Wetters Richtung Hafen. An der
Esplanade und Umgebung bringen es noch
nicht mal die schönen, alten Jugendstilhäuser fertig, Glanz zu entfalten, das
Wetter ist einfach zu mies. In einer Pizzeria essen wir relativ preiswert und
gut. Interessant ist, dass die Finnen mit dem Personal englisch sprechen.
24.03.19 Über den Finnischen Meerbusen nach Tallin und
weiter nach Pärnu
Die Sonne scheint über Helsinki und auf der Fahrt zur Viking
Line haben wir noch mal einen kurzen Blick auf die prächtigen Jugendstilhäuser,
den Regierungssitz und den Markt. Bei Sonne denke ich, man müsste wieder
kommen. Dann denke ich an das Preisniveau und meine, schönen Jugendstil gibt es
auch woanders, aber viel preiswerter.
Das Schiff legt pünktlich ab, die Überfahrt ist relativ
ruhig.
Das Hotel in Pärnu
ist eine alte Villa im Originalzustand, eingerichtet im feinsten
Jugendstil, so heißt es auch, Luxury Art Nouveau Hotel Villa Ammende.
Wir bummeln durch Pärnu, ein Heilbad schon im vorvorigen
Jahrhundert. Heute sind die Kurhotels gesichtslose Betonklötze, trotzdem stehen
Busse und Autos davor, meist aus Finnland oder Schweden. Für die ist das hier
insbesondere preislich ein Paradies. Leider hat das Restaurant des Hotels
geschlossen, das empfohlene Restaurant ist ordentlich.
25.03.19 Vilnius
Das Frühstück wird stilecht serviert auf eine Etagere,
Kaffee wird nicht nachgeschenkt, es gibt eine neue Tasse. Die Bedienung trägt
schwarzes Kleid und weiße Handschuhe, die Putzfrau ebenso und weiße Schürze.
In Vilnius dann Kontrastprogramm, wir wohnen in einem alten
Pilgerhaus. Alles ist einfach, aber sauber. Die Lage ist super, mitten in der
Altstadt. Vilnius fasziniert uns, die Architektur wird geprägt von Prunkbauten im klassischen Stil und im
Jugendstil. Kirchen an fast jeder Ecke, über 50 Sakralbauten gibt es hier. Wir
trinken noch ein Bier in einer Bar, dann zurück in das Nachtquartier.
26.03.19 Zgierz
Wir laufen noch einmal zur spätgotischen St. Annen-Kirche
hinter der bereits die Kirche der Heiligen Franziskus und Bernhardin steht.
Dann geht auf der Autobahn Richtung Westen. Unser Ziel ist die Gegend von
Lodsz. In der Gegend von Warschau geraten wir in einem Schneesturm, wie ich ihn
bisher nur in den Bergen erlebt habe. Vor uns baut sich eine schwarze Wand auf
und dann geht es los und tobt über eine Stunde um uns herum. Irmi fährt,
anhalten und Fahrerwechsel ist viel zu gefährlich auf dem Seitenstreifen und
Parkplätze oder ein Rasthaus sind nicht in Sicht. Ich versuche, ein Hotel zu
finden, aber das Internet ist miserabel, vielleicht eine Folge des Sturms.
Irgendwann halten wir bei McDonalds an, dort gibt es sicher Internet. Ich finde
ein Hotel in Zgierz. Da wir Hunger haben, gibt es heute Hamburger und Pommes
bei McDonalds.
Im Hotel trinken wir dann erst einmal ein einheimisches
Bier, das uns aber zu süß ist. Die Bedienung bestätigt uns, Polen mögen
süßliche Biere. In der Karte steht ein spanischer Wein zu einem akzeptablen
Preis, wir nehmen die Flasche mit aufs Zimmer.
27.03.19 Hannover
An den immer dichter werdenden Verkehr haben wir uns zwischenzeitlich
wieder gewöhnt, an die Raserei auf deutschen Autobahnen müssen wir uns noch
gewöhnen. Ansonsten ruhige, störungsfreie Fahrt und wir sind froh, trotz der
maroden Bremse links hinten gut wieder zu Hause angekommen zu sein.
Gute Reise! Was hier nur fehlt (früher ging das immer) ist eine automatische Benachrichtigung, wenn es etwas Neues gibt. Aber egal.
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